Hennes Fahrradreisen
Ballinatrillick
Costa Rica
Costa Rica
COSTA RICA
Mit dem Fahrrad durch die „Schweiz Mittelamerikas“
Bei meinen Fahrradvorträgen wurde ich häufig von Zuschauern gefragt, ob ich schon mal in Costa Rica gewesen sei. Jeder schwärmte von diesem mittelamerikanischen Land. So wurde ich neugierig und beschloss, das Land im März/April 2010 mit dem Fahrrad zu bereisen.
Allerdings verlief die Reise ganz anders als geplant! Schon am ersten Tag hatte ich mit der enormen Hitze und Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. Im Gegensatz zu anderen Radtouren, bei denen die Faszination der Länder die Anstrengungen vergessen ließ, kamen in Costa Rica zu den klimatischen Bedingungen noch die teilweise extrem steilen Anstiege dazu. Und so hielten viele Autofahrer von sich aus an und fragten, ob sie mich zum Pass hochfahren sollten.
Die Landschaft war phantastisch! Tropischer Regenwald, eine herrliche Strasse entlang der Pazifik-Küste, Ölpalm-, Bananen-, Kaffee-, Ananas-Plantagen.
Die „Ticos“ (die Bewohner Costa Ricas) winkten mir zu, und wenn ich anhielt, um etwas zu kaufen oder zu essen, fragten sie wissbegierig, woher ich sei.
Das Zelten wurde jedes Mal zu einem Sauna-Gang, weil es im Zelt unerträglich heiß war. Bei offenem Zelt konnte und wollte ich nicht schlafen, denn es gibt ca. 140 Schlangenarten, von denen 18 giftig sind…
Neben der grandiosen Landschaft war auch die Tierwelt überwältigend! Ich sah und fotografierte Schlangen, bunte Frösche, Papageien, Iguanas (Echsen), Nasenbären, Faultiere, Brüllaffen, Krokodile, um nur einige Tierarten zu nennen.
In den unzugänglichen Bergen an der Grenze zu Panama besuchte ich eine Siedlung der Guaymi-Indianer. Die irischen Melodien, die ich den Dorfbewohnern auf der Mundharmonika und Tin Whistle (irische Flöte) vorspielte, waren wieder mal ein Hit!
Bei der Fahrt auf der „Panamericana“ durch den Nebelwald musste ich passen, denn die Sichtweite betrug oft nur etwa 10 Meter. Die Strassen waren sehr eng, und wenn sich die riesigen LKW begegneten, war für einen Radfahrer kein Platz mehr auf der Strasse. Unter den gegebenen Umständen entschloss ich mich, einige interessante Ziele mit Mietauto und Bus zu besuchen. Da ich keinen Führerschein dabei hatte, musste ich mir eine Kopie aus Deutschland per e-mail schicken und diese von einem Notar bescheinigen lassen. Jetzt bin ich im Besitz eines wunderschönen costaricanischen Führerscheins mit Stempeln, Prägungen und goldenen Sternen, den ich während des Vortrages dem Publikum präsentieren werde.
Ein anderes Highlight waren die noch aktiven Vulkane. Es ist ein phantastisches Schauspiel, wenn man nachts die glühende Lava den Berg herunter fließen sieht!
Bei einem anderen Vulkan konnte ich eine Eruption sehen und fotografieren.
Die Orte an der Karibikküste erinnerten mich sehr an Jamaika. Es gab Jerk-Pork, Rastas, und aus den Lautsprechern dröhnte Reggae-Musik.
Ein besonderes Erlebnis war auch die Fahrt mit einem Fischer auf einem Dschungel-Fluss, bei der ich viele Tierarten beobachten konnte.
Obwohl ich meinen eigentlichen Plan, das Land mit dem Rad zu bereisen, nicht zu 100% realisieren konnte, war diese Reise wieder einmal ein Erlebnis der besonderen Art!
Costa Rica
Kambodscha
Kambodscha
KAMBODSCHA

Mit dem Fahrrad durch das Land der freundlichen Khmer

Mit dem Fahrrad durch Kambodscha – dieser Traum spukte schon seit
längerem in meinem Kopf herum.
Reisfelder, der Mekong, atemberaubende Kulturstätten, überaus freundliche Menschen, der Tonle Sap, ursprüngliche Dörfer...... mehr wusste ich über dieses Land nicht, das sich aufgrund von Kriegswirren und Bürgerkriegen erst Ende der 90er Jahre dem Tourismus geöffnet hatte.
Da mich auch die Nachbarstaaten Thailand, Laos (in beiden Ländern war ich 1971 schon einmal) und Vietnam interessierten, unternahm ich eine über neunwöchige Rundreise durch diese vier Länder.
Die Landschaft Kambodschas ist geprägt von überwiegend trockenen Reisfeldern, denn es war „Winter“, also Trockenzeit. So führten auch der Mekong und der Tonle Sap sehr wenig Wasser. Die Straßen waren teilweise sehr staubig, was sich nach täglich 8-10 Std. Radeln an den freien Körperstellen bemerkbar machte. Da die Strecken sehr flach waren und ohne jede Steigung, schaffte ich mühelos weit über 100 Km am Tag.
Ein Höhepunkt der Reise war eine achtstündige Bootsfahrt auf dem Sangker Fluss von Battambang nach Siem Reap.
Frühmorgens verließ der alte Holzkahn die Stadt und fuhr vorbei an den ärmlichen Dörfern am Fluss. Vollbeladene Fähren mit Mopeds und Fahrrädern setzten über, viele Menschen verrichteten ihre Morgenwäsche in dem trüben, braunen Wasser, Kinder spielten mit großen Pythonschlangen, Händler verkauften von ihren kleinen Holzbooten aus Gemüse, Obst, Hühner, Frösche, Ratten u.v.a.m.
Kinderreiche Familien wohnten auf verrotteten Hausbooten oder an Land in Schilfhütten. Eins hatten sie alle gemeinsam: eine Fernsehantenne.
Siem Reap ist eine durch und durch von Touristen vereinnahmte Stadt, liegen doch die phantastischen Tempelanlagen Angkor Wat und Angkor Thom ganz in der Nähe. Stundenlang ging ich durch die weiträumige Anlage und bewunderte die Leistungen der Khmer vor ca. 1000 Jahren. Eine Erholung (wenn auch eine „kitzlige Angelegenheit“) war es, sich die Hornhaut an den Füssen von Hunderten von kleinen Fischen abknabbern zu lassen.
Sah man in den Touristenhochburgen Hunderte von Reisenden aus aller Welt, so begegnete ich bei den Fahrten über Land nicht einem einzigen „Westler“. Kaum passierte ich ein Dorf, kamen schon die Kinder schreiend und winkend angerannt und begrüßten mich mit einem lauten „Hello!“. Hielt ich an, um zu fotografieren, rannten besonders die Kleinsten weinend davon. Von Erwachsenen wurde ich oft zum Kaffee oder einem anderen Getränk eingeladen. Die Leute waren überaus freundlich und hilfsbereit, und nie fühlte ich mich bedrängt und belästigt, und nie hatte ich auch nur annähernd ein Gefühl der Angst.
Kambodscha
Bolivien
Bolivien
BOLIVIEN

Mit dem Fahrrad von der gefährlichsten Straße der Welt zum Titicacasee

Wenn man von Argentinien aus nach Bolivien einreist glaubt man, in eine andere Welt zu kommen. Hier geht es nicht so gesittet und fast preußisch zu wie im
Nachbarland. Auf den Straßen sitzen Hunderte von Indiofrauen in ihrer typischen
Tracht und treiben Handel mit allen erdenklichen Waren. Kurios wirken zunächst
die eigenartigen Hüte, die entweder gerade oder schräg auf dem Kopf sitzen, je nach dem, ob die Frauen verheiratet oder ledig sind.
Parallel zur Hauptstraße, die beide Länder verbindet, gibt es einen schmalen Weg,
auf dem massenweise Ware am Zoll vorbei nach Bolivien kommt. Tagelöhner in
roten Westen schieben emsig große Karren mit Bier, Schnaps, Eiern oder anderen
Gütern von Argentinien nach Bolivien.
Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch am „Salar de Uyuni“, dem
größten Salzsee der Welt. Malerisch spiegelten sich schneeweiße Wolken in dem
Wasser, das die Salzkruste bedeckte. Regionalbusse durchquerten die scheinbar
endlose Salzwüste. Ganz in der Nähe des Sees gibt es das einzige Hotel weltweit, das aus Salz gebaut ist.
Diese eindrucksvollen Erlebnisse wurden überschattet durch den Verlust einer
Packtasche, in der sich Wertvolles befand. LKW-Fahrer hatten mich bei strömendem Regen auf eine Lehmpiste mitgenommen. Während der Fahrt fiel
eine Packtasche von der Ladefläche, denn die Ladeklappe hatte sich unbemerkt während der Fahrt geöffnet.
Der Ärger rückte aber schnell in den Hintergrund, als ich durch die grandiose Land-
schaft des Altiplano mit seinen malerischen Kirchen fuhr.
Ein weiterer Höhepunkt war die Fahrt auf dem „Camino de la muerte“, der berüchtigten „Todesstrasse“. Sie wird als „gefährlichste Straße der Welt“ betrachtet.
In vielen Serpentinen windet sie sich über steile Berghänge und fällt auf ca. 65 Km von 4700 m auf 1200 m ab. Es gibt keine Leitplanken, der Untergrund besteht aus
gröbstem Gestein. Regen, Nebel und morastiger Untergrund machen die Abfahrt zu einem Himmelfahrtskommando, das volle Konzentration abverlangt. Bis 2007 starben auf dieser Strecke jährlich 200-300 Menschen, und zahlreiche Kreuze
markieren noch heute die Unfallstellen.
Die weitere Route führte mich über La Paz zum Ostufer des fast 4000 m hoch gelegenen Titicacasees.
In Copacabana, dem bedeutendstem Wallfahrtsort Boliviens, konnte ich miterleben, wie Hunderte von Familien aus ganz Bolivien und auch aus dem angrenzenden
Peru ihre Autos von einem Mönch und einem Schamanen segnen ließen. Auf dem
Hausberg „Cerro Calvario“ ging ich einen Pilgerweg, der auf 14 Stationen den Leidensweg Jesu bis zur Kreuzigung zeigt.
Nach 2 ½ Wochen verließ ich Bolivien in Richtung Peru.

Bolivien
Laos
Laos
LAOS
Mit dem Fahrrad durch das Land der tausend Elefanten

Im Jahr 1971 betrat ich zum erstenmal laotischen Boden, natürlich nicht wissend, dass ich dieses Land 40 Jahre später mit dem Fahrrad bereisen würde.
Bis auf die Freundlichkeit der Bewohner und die Dörfer in entlegenen Gebieten hatte sich in den vier Jahrzehnten so gut wie alles verändert: die Infrastruktur, der Wohlstand, die Reisemöglichkeit innerhalb des Landes, die Versorgungsmöglichkeiten u.v.a.m.
Aus Vietnam kommend erschien mir das buddhistisch geprägte Land wie eine Oase. Gemäßigter Verkehr, rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer, kein Dauerhupen, Gelassenheit, keine Hektik.
Wenn ich durch die sehr ursprünglichen Dörfer fuhr, wurde ich vor allem von den Kindern überschwänglich begrüßt: „Sabaidee!“ – Hallo!
Viele hatten offenbar noch nie einen Europäer gesehen, denn wenn ich anhielt, um zu fotografieren, rannten sie – je nach Alter – schreiend oder sogar weinend davon. Die Erwachsenen unterbrachen ihre Arbeit, wenn sie mich schon von Weitem erblickten. Immer wieder wurde ich aufgefordert, mich zu ihnen zu setzen, um mit ihnen Kaffee oder etwas anderes zu trinken. Neugierig befragten sie mich nach meiner Herkunft, und sprach jemand drei Worte englisch, so gab er sie zum Erstaunen der Dorfbewohner zum Besten. Oft fragten sie nach meinem Ziel. Lag es auch nur 30 Km weit entfernt, so meinten sie, das sei aber sehr weit weg. Beschrieb ich ihnen dann meine bisherige Reiseroute von Bangkok über Kambodscha nach Vietnam und Laos, guckten sie mich ungläubig an, als sei ich von einem anderen Stern.
Neben den vielfältigen „Sehenswürdigkeiten“ in der sehr beschaulichen Hauptstadt Vientiane hat mich besonders die faszinierende Karst- Landschaft auf der Strecke nach Luang Prabang beeindruckt. Auf dieser Etappe und in der viertgrößten Stadt des Landes kann man die Vielfältigkeit der ethnischen Minderheiten (Hmong, Bru, Hani u.s.w.) erleben.
Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme an einer buddhistischen Beerdigungsfeier, bei der der Sarg mit lautem Getöse und Feuerwerk auf einem kunstvoll aufgebauten Gerüst verbrannt wurde.
Die Offenheit und die Gastfreundschaft, mit der die Menschen auf den Fremden zugehen, ist bemerkenswert. Eine sehr arme Frau, die ohne Besitz durch das Land zog, bot mir aus ihrem zerschlissenen Stoffbeutel Baumrinde zum Essen an...!
Laos
Baltikum
Baltikum
Unbekanntes Baltikum

Mit dem Fahrrad durch Litauen, Lettland und Estland

Jahrzehntelang befanden sich die baltischen Staaten in einem Dornröschenschlaf hinter dem „Eisernen Vorhang“. Seit 1940 hatte die Sowjetunion die drei Staaten okkupiert, bis 1987 die Bevölkerung sich gegen die Sowjetherrschaft auflehnte. 1989 bildeten Millionen von Menschen aus Protest eine Kette, die von Tallin über Riga nach Vilnius reichte. Und schon 2004 erwarben die drei Länder die Mitgliedschaft in der EU.
Der Unterschied und die Veränderungen zu 1992, als ich schon einmal das Baltikum bereiste, waren gewaltig.
Nicht nur die Infrastruktur hatte sich enorm verändert. Während die ältere Generation oft deutsch oder russisch spricht, kann man sich mit jüngeren Menschen gut auf Englisch unterhalten.

Auf sehr guten Strassen („gefördert mit Mitteln der EU“) führte meine Route zunächst von Klaipeda über Silauliai (Berg der Kreuze) nach Riga. Von da an ging der Radweg direkt an der Ostsee entlang. Mein nächstes Ziel war die Insel Saaremaa, die während der Sowjetherrschaft militärisches Sperrgebiet war. Die Landschaft auf der sehr dünn besiedelten Insel ist geprägt von Wiesen, Feldern und Wäldern. Auf sehr wenig befahrenen Strassen erkundete ich die Insel und genoss die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Bewohner. Neben vielen Bockwindmühlen kann man auch einen 4000 Jahre alten Meteoritenkrater sehen.
Die geschichtsträchtige Hauptstadt Lettlands – Riga – ist mit ihren Hunderten von Jugendstilhäusern, Kirchen und engen Gassen unbedingt sehenswert. Nördlich von Riga beginnt in dem Badeort Jurmala ein 60 Km langer Radweg, der unmittelbar an der Ostsee entlang führt.
Im Nationalpark Papesee kann man Wildrinder und Wildpferde sehen. Nahe der Stadt Kuldiga kann man den längsten Wasserfall Europas bewundern, der zwar 275 Meter lang ist, aber nur etwa 1,50 Meter hoch! Ein „Muss“ jeder Reise durch das Baltikum ist das Bernsteinmuseum in Palanga! Unterwegs kam ich an einem kuriosen Museum vorbei, das ich natürlich besuchte: das Münchhausen-Museum.
Die letzten drei Tage verbrachte ich auf der Kurischen Nehrung, wo Thomas Mann in dem Ort Nida ein Sommerhaus hatte. Auch der Abstecher mit einem Boot ins Memel-Delta war sehr lohnenswert.
Nach vier Wochen hatte ich zwar über 2400 Km auf dem Tacho, aber die Anstrengung hielt sich in Grenzen, da die Strecke total flach war und ich keine Steigungen zu bewältigen hatte.
Baltikum
Mongolei
Mongolei
„…..nur an Airag konnte ich mich nicht gewöhnen“
Mit dem Fahrrad durch die Mongolei
Ein Reisebericht von Hans Neumann


„Ich müsste erstmal nachsehen, wo die Mongolei liegt“
Das war die ehrliche Reaktion von Freunden, Bekannten und Kollegen, als sie von meinem Vorhaben hörten.
Im Sommer 2006 konnte ich endlich – nach einjähriger Vorbereitung – einen lange gehegten Traum verwirklichen: die Mongolei mit dem Fahrrad zu bereisen.
Akribisch wog ich mittels Brief-, Küchen- und Personenwaage mein gesamtes Gepäck ab, um möglichst Ballast zu vermeiden. Mit einer – wie sich vor Ort herausstellte – unbrauchbaren Landkarte plante ich meine Reiseroute. Mit reichlich Übergepäck (40 Kilo plus Fahrrad) flog ich dem Abenteuer entgegen.
In Ulaan Baator kaufte ich Lebensmittel und Wasser und fuhr nach eineinhalb Tagen Aufenthalt in der Hauptstadt in die äußerst dünn besiedelte Steppe. Täglich war ich zu Gast bei Nomaden und wurde mindestens zu einem Milchtee (mit Salz, Butter und Fleischstreifen) eingeladen. Oft nahm ich aber an den gemeinsamen Mahlzeiten teil, die ausschließlich aus Hammelfleisch bestanden. Nur an Airag (gegorene, kalte, säuerliche Stutenmilch) konnte ich mich nicht gewöhnen.
Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Nomaden waren überwältigend! Mal schoben sie mein bis zu 65 Kilo schweres Rad über Geröllpisten bergauf, mal versorgten sie mich mit trockenem Brennholz, wenn meins wieder einmal durch starke Regenfälle nass geworden war. Nur einmal widerfuhr mir etwas Negatives, als mich ein sturzbetrunkener Motorradfahrer bewusst so dicht überholte, dass ich fast mit dem Rad umgestürzt wäre.
Mein Zelt durfte ich immer neben den Jurten aufbauen. Ich revanchierte mit kleinen Gastgeschenken und Musik (Live-Hörproben während des Vortrages!). Auf einer irischen Flöte spielte ich meinen Gastgebern keltische Tänze und Weisen vor, zu denen einmal drei betrunkene Nomaden in der staubigen Steppe tanzten. Durch meine Musik wich auch –
gerade bei Kindern – die anfängliche Scheu und Skepsis. Neben Gestikulieren mit Händen und Füßen war das die einzige Kommunikationsmöglichkeit
.
Die „Straßen“, auf denen ich mich voranquälte, waren extrem schlecht! Die auf meiner Landkarte als „asphaltierte Hauptstrasse“ klassifizierte Route bestand im günstigsten Fall aus Sandpiste. Oft musste ich quer durch die von starken Regengüssen vollgesogene Steppe fahren. Das Rad war dann weder fahr- noch lenkbar, ich musste absteigen und stand bis zur Wade im Wasser.
Einmal verfuhr ich mich hoffnungslos im Gebirge. Am Abend hatte ich kein Wasser mehr, und Panik überkam mich. Ich hatte Angst vor Wölfen, von denen es in der Mongolei mehr geben soll als Einwohner. Am nächsten Tag stieß ich auf eine Gruppe Berliner Pfadfinder, die mich aus dieser Situation retteten.
Neben dem eher uninteressanten Staats-Naadam in der Hauptstadt erlebte ich dieses spannende und farbenfrohe Sportfest noch vier weitere Male in Dörfern, wo ich ganz nah am Geschehen war und unmittelbaren Kontakt zu den Ringern, Reitern und Bogenschützen hatte.
Die letzten drei Tage fuhr ich mit einem Minibus ins Herz der Mittelgobi, wo die durchschnittliche Einwohnerzahl von eineinhalb pro Quadratkilometer noch weit unterschritten wird. Hier erlebte ich 58 Grad Celsius, während das Thermometer im Gebirge bei Regen oft nur 6 Grad zeigte.
In 47 Jahren habe ich 73 Länder bereist, davon 35 mit dem Fahrrad. Die Tour durch die Mongolei war die strapaziöseste, die schwerste bezüglich der Infrastruktur und Versorgung, die intensivste, was den Kontakt zur Bevölkerung betrifft, und mit Sicherheit die abenteuerlichste!
Mongolei
Irland
Irland
IRLAND

Vorgestern und heute
Impressionen von 1967/1985/2005
Eine Musik-Dia-Tanz-Show mit wenig Worten und viel Musik


Im September 2005 habe ich nach 1967/1968/1969 und 1985 meinen Urlaub wieder in Irland verbracht. Ich war – gelinde gesagt – erstaunt, wie sehr sich mein „Lieblingsland“ von 68 Ländern, die ich weltweit gesehen habe, verändert hat.
Schon während meines Aufenthaltes in Irland kam mir die Idee, darüber einen Dia-Vortrag zu halten. Und der nächste Schritt ergab sich quasi „zwangsweise“: den Vortrag mit Musik zu begleiten. Ich spiele seit fast vierzig Jahren Irische Musik. Für diese Musik-Dia-Show gründete ich das Trio „BALLINATRILLICK“. Die beiden anderen Mitglieder des Trios spielen auch schon seit vielen Jahren Irische Musik. Mit der Musik trat der Dia-Vortrag immer mehr in den Hintergrund, und wie man der Homepage entnehmen kann, liegt der Schwerpunkt der „Musik-Dia-Show“ auf der Musik. Wir spielen die Pub-Klassiker („Finnegan’s wake“, „The wild rover“) genauso wie klassische Irische Lieder, Rebel Songs, Gassenhauer, Balladen und Instrumentalstücke, die teilweise in Medleys zusammengefasst sind. Die Bilder laufen mit wenig Kommentar zu der Musik, viele sind beschriftet.
Die Dia-Show beinhaltet Fotos von allen fünf Reisen. Das heißt ich habe einige der 40 und 20 Jahre alten Dias und Fotos (auch schwarz-weiss) eingescannt und zeige diese mit den Digitalfotos vom letzten Besuch. Viele der Motive aus den 60er und 80er Jahren wird der Irlandbesucher heute vergeblich suchen, da sich das Land kolossal gewandelt hat (Stichwort „Keltischer Tiger“).

Seit November 2009 können wir unser Programm mit fantasivollen Tanzdarbietungen der irischen Stepptanzgruppe „THE DONEGALS„  aus Berlin ergänzen und abrunden.  Mit donnernden Füßen oder sanften Tanzschritten erfreuen sie unser Publikum und präsentieren die gesamte Bandbreite  irischer Tänze: Reels, Jigs, Hornpipes, Polkas…
Lassen Sie sich von der Musik, den Tänzen und den Bildern verzaubern und tauchen Sie ein in die irische Seele!
Hans „Henne“ Neumann
Irland
Chile
Chile
CHILE

Mit dem Fahrrad von der Atacama bis Patagonien

Als ich von Tacna (Süd-Peru) nach Arica (Nord-Chile) fuhr, bekam ich einen Vorgeschmack von dem, was mich in der Atacama erwarten würde. Es war sehr
heiß, und ein Sandsturm folgte dem anderen.
In Arica hatte ich unmittelbaren Kontakt zu Teilnehmern der „Ralley Dakar“,die
in diesem Jahr (2012) von Argentinien über Chile nach Peru führte.
Meine erste Etappe in Chile ging zum Chungara-See an der bolivianischen Grenze.
Ich fuhr 175 km bergauf bis auf fast 5000 m. Ein Fantastisches Bild: der Vulkan Parinacota (6200 m) spiegelte sich in dem spiegelglatten See. Die rosa Flamingos erschienen schon fast kitschig, waren aber real dort. Einen besseren Ort zum
Zelten konnte man kaum finden....dachte ich! Nachts sank die Temperatur auf -10°,
und die Luft war so dünn, dass ich kaum atmen konnte. Mit anderen Worten: ich
machte die ganze Nacht kein Auge zu und fror jämmerlich, obwohl ich alles ange-
zogen hatte, was ich besaß (meine warmen Sachen hatte ich ja in Bolivien verloren)
Dann konnte ich endlich einen langgehegten Traum wahr machen: mit dem Fahrrad
durch die trockenste und heißeste Wüste der Welt zu fahren. Ich war vorher schon
in der syrischen Wüste, in der Sahara, in der Wüste Tharr, bin 1000 Km durch die omanische Wüste gefahren und durch die Gobi – aber die Trostlosigkeit der Atacama war nich zu überbieten! Nach knapp einer Woche warf ich das Handtuch
und fuhr mit einem LKW bis Calama.
Die nächste Station war San Pedro de Atacama. Auf dem Weg zum „Salar de Atacama“ kam ich durch das Dorf Toconao. Vier Tage später wurde im Fernsehen
über schwerste Unwetter berichtet, die dieses Dorf zum Teil schwerverwüstet haben.
In einer 24 stündigen Busfahrt überbrückte ich Mittelchile, bevor ich von Temuco aus in das landschaftlich sehr reizvolle Seengebiet fuhr. Tagelang begleiteten mich die Vulkane Villarica und Osorno. In dem gleichnamigen Ort zeugten viele Namen
auf deutschen Ursprung: die Straße „Holzapfel“, das Hotel „Frau Holle“ und das Cafe „Rosengartern“.
Von Puerto Montt aus erkundete ich die Insel Chiloe mit ihren vielen malerischen Holzkirchen.
Von der Südspitze der Insel setzte ich über nach Chaiten, einem Ort, der 2008
durch einen Vulkanausbruch fast völlig zerstört wurde. Auf der „Carretera Austral“
fuhr ich wieder in Richtung Norden nach Puerto Montt.
Die letzten zwei Tage verbrachte ich in Santiago de Chile, wo ich zufällig in eine
Studenten-Demonstration geriet, bei der die Polizei Wasserwerfer mit Tränengas einsetzte.
Chile
Island
Island
Vulkane, Eis und Wasserfälle

Mit dem Fahrrad durch Island


Für diese Tour wollte ich eigentlich verschiedene Freunde begeistern, mit denen ich schon in südlichen (= wärmeren ) Ländern geradelt war. Aber für die Insel, die bekanntlich für viele Tiefs verantwortlich ist, konnte sich keiner so richtig erwärmen. Außerdem soll es dort ja auch sehr windig, nass und kalt sein...
Um es vorweg zu nehmen: Es war teilweise sehr windig, sehr kalt und sehr nass!
Vier Wochen lang kam ich aus meiner klammen und feuchten Kleidung nicht heraus.
Meine Tour begann ich in Keflavik, wo sich der Flugplatz befindet. Zunächst radelte ich an den Fjorden im Nordwesten entlang, wo es teilweise so stürmisch war, dass ich sogar einmal bergab schieben musste. Auf der 1400 km langen Ringstrasse waren Island-Pferde und dampfende Erde meine ständigen Begleiter. Die Strasse war zwar überwiegend asphaltiert, aber dennoch musste ich mich auch oft auf Schotter- und Sandpisten voranquälen.
Vom Myvatn (Mückensee) aus unternahm ich einen Abstecher zum Askja-Vulkan. Die Tatsache, dass die amerikanischen Astronauten in dieser Gegend vor der Mondlandung 1969 trainierten lässt schon ahnen, dass das Terrain mit dem Fahrrad nicht zu bewältigen ist. Und so fuhr ich mit einem Bus über Lavafelder und durch mehrere Flüsse am Herdubreid vorbei zum Askja.
Wieder zurück auf der Ringstrasse, riss mir ein Mantel, als ich über scharfes Lavagestein fuhr. Glücklicherweise kam der Bus, der nur einmal am Tag hier verkehrt, eine Minute später und nahm mich mit nach Egilstadir, wo ich einen neuen Mantel kaufen konnte.
Bei starkem Nebel und geringer Sichtweite fuhr ich an den Fjorden im Osten Islands entlang.
Ein Höhepunkt der Reise war das Zelten am Jökulsarlon, einem See am Fuße des Vatnajökull-Gletschers. Der See war voller Minieisberge, die langsam aus das offene Meer hinaustrieben.
Mit einer Fähre setzte ich nach Heimaey über, der größten und einzig bewohnten Insel der Vestmannaeyjar-Inseln. Man sagt, auf den Inseln gibt es nur fünf Sonnentage im Jahr. Ich verbrachte dort drei Tage bei schönstem Wetter.
Noch heute kann man die Auswirkungen des Vulkan-Ausbruchs 1973 sehen, als die Stadt in Schutt und Asche zu versinken drohte.
Nach einer Fahrt über die Hochlandpiste nach Landmannarlaugar fuhr, schrieb ich in mein Tagebuch :“Das war der schwärzeste Tag in meinem Leben!“
Bei Sturm und Regen quälte ich mich über die Sandpiste, wobei der Sturm mir die schwarze Vulkanasche entgegen trieb. Ich hatte kein Wasser mehr, und das aus den Flüssen konnte ich nicht trinken, denn es war grau vor Sand und Asche. Völlig verschmutzt, nass und erschöpft kam ich in der Jugendherberge in Landmannarlaugar an. Mit viel Glück und dem Mitleid der „Herbergsmutter“ bekam ich noch einen Schlafplatz.
Zum Abschluss verbrachte ich noch bei 6° Luft- und 35 Wassertemperatur sechs Stunden lang in der „Blauen Lagune“.
Island
Kanada
Kanada
Bären – Berge – Begegnungen

3500 Km mit dem Fahrrad durch Kanadas Westen
mit einem Abstecher nach Alaska

Ein weiterer „Fahrradtraum“ sollte 2007 wahr werden: Kanada (genauer: British Columbia und Alberta) mit dem Fahrrad zu bereisen.
Ein Freund, der diese Strecke schon einmal mit dem Auto gefahren war, meinte, das würde ich wohl schwerlich schaffen, zumal mit fast 60 Jahren.
Die Route führte mich zunächst von Calgary nach Vancouver (mit einem Kleinbus). Meine ersten Eindrücke waren überwältigend! Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den schneebedeckten Bergen (es war Mitte Juni!).
Nachdem ich das Auto am Flughafen von Vancouver abgegeben hatte, radelte ich entlang der „Sunshine Coast“ auf dem Festland. Mehrere Fähren brachten mich über die Fjorde. In Powell River setzte ich über nach Vancouver Island. Mein erstes Ziel war Port Hardy, ein Fährhafen, wo die 15 stündige Fahrt entlang der „Inside Passage“ begann. Es soll eine der schönsten Fährstrecken weltweit sein.
Bevor ich die Fahrt zu der Hafenstadt antrat, musste ich noch ein gewaltiges moralisches Tief überwinden. Aus unerfindlichen Gründen hatte ich gleich am ersten Tag überhaupt keine Lust mehr, die Reise fortzusetzen. Ich war nahe davor, alles stehen zu lassen, nach Vancouver zu trampen und den nächsten Flieger nach Hause zu nehmen. Aber ein Schlüsselerlebnis brachte mich – zum Glück! - wieder zur „Vernunft“.
Von Prince Rupert fuhr ich mehrere hundert Kilometer nach Osten bis zum Abzweig nach Alaska. Auf dieser Strecke sah ich sehr viele Schwarzbären. Von Prince Rupert nach Stewart und zurück nach Kitwanga waren es fast 800 Km. Es gab aber nur zwei Möglichkeiten, sich Lebensmittel und Wasser zu besorgen, was sich als großes Problem herausstellte. Oft musste ich vorbeifahrende Autos anhalten und nach Wasser fragen. Es hielten auch Reisende an und fragten mich, ob ich genug Wasser hätte.
Auf einer sehr einsamen Strasse in Alaska begegnete ich einem Schwarzbären und einem Grizzly. Es kostete mich sehr viel Nervenstärke, die Bären zu fotografieren!
Manche Tagesetappen betrugen zwischen 140 und 160 Km, weil dazwischen nicht anderes waren als Wald und Bären. Und es nicht sehr ratsam, sein Zelt mitten in der Wildnis aufzustellen. British Columbia hat die größte Bären-Population in Kanada, und die Gegend, in der ich mich befand, wiederum die größte in British Columbien.
In meiner Not und mangels anderer Übernachtungsmöglichkeiten schlief ich einmal in einer völlig verlassenen Indianer-Siedlung in einem völlig verdreckten Haus. Aber hier war ich vor Bären sicher.
Der Höhepunkt der Reise war ohne Zweifel die Fahrt auf dem Icefield Parkway im Jasper- und Banff Nationalpark. Staunend fuhr ich mit offenem Mund durch die schneebedeckten Berge der Rocky Mountains. In tiefblauen Seen spiegelten sich die Riesen der Rockys.
Dadurch, dass ich mit meinem Rad keinen Krach machte, sah ich viele Tiere: Wapitis, Elche, Dickhornschafe, Karibous, Präriehunde, Kojoten und viele andere mehr.
Die phantastische Landschaft und die vielen netten Begegnungen mit Menschen machten die Reise wieder einmal zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Nach sechs Wochen kam ich k.o. aber glücklich wieder in Calgary an. 9,5 Kg hatte ich auf der Strecke gelassen.
Kanada
Lappland
Lappland
Lappland im Winter

Nach vielen beeindruckenden Nordlandreisen im Sommer reizte es mich, diese herrliche Landschaft auch einmal tief verschneit im Winter zu erleben.
Klirrende Kälte, Dunkelheit, tanzende Polarlichter, ausdrucksvolle Lichtverhältnisse, und die Gemütlichkeit der Häuser begeisterten mich so sehr, dass ich gleich viermal hintereinander im Winter Finnland, Norwegen und Schweden besuchte.
Auf völlig vereisten Strassen fuhr ich zunächst 800 Km nach Norden. Auf einem Bauerngehöft mietete ich mir ein Blockhaus direkt an einem See, hinter dem tagtäglich die rote Sonne aufging. Mal eben zum Bäcker gehen war nicht möglich, da die nächste Einkaufsmöglichkeit 80 Km entfernt war. Während meiner stundenlangen Wanderungen auf Langlauf-Skiern traf ich nie einen Menschen, dafür Rentiere, Schneehühner, einen Elch und ein Vielfraß. Tierspuren waren in jeder Größe zu sehen.
Die einsamen Gegenden, die ich im Sommer erwandert hatte, waren jetzt noch einsamer. Nur ab und zu zerriss der Lärm eines Motorschlittens, dem Hauptfortbewegungsmittel der Skandinavier im Winter, die Stille. Ich muss dennoch gestehen: es machte schon viel Spaß, mit solch einem Gefährt über die zugefrorenen Seen zu fahren.
Eine besondere Erfahrung war es, sich nach der Sauna bei minus 30°
im Schnee zu wälzen, denn die Schneekristalle wirkten wie Tausende von Nadeln auf der Haut. Auch die rasanten Schlittenfahrten mit einem Husky-Gespann durch die einsamen Wälder waren immer ein faszinierendes Erlebnis!
Bei einer Nordlandtour mit einem Freund bauten wir ein Iglu (das „Richtfest“ wurde mit Glühwein gefeiert) und schliefen bei 18° minus darin.
In Kemi besuchte ich die beeindruckende Anlage eines Eishotels. Alles bestand aus Schnee und Eis: eine kleine Kirche, das Restaurant, Bänke, Tische, Kühlschrank und sogar die Betten in den wunderschön gestalteten Zimmern. Eine Übernachtung verkniff ich mir aber, denn sie kostete 200 € pro Person – ohne Frühstück.....
Lappland
Argentinien
Argentinien
ARGENTINIEN


Mit dem Fahrrad durch das Land der Guanakos und Gouchos


Die Reise nach Argentinien von Chile aus über den Pass „Los Libertadores“ begann (zum Glück!) mit zwei irreparablen Pannen. Brasilianische Touristen nahmen mich auf der kurvenreichen und sehr steilen Straße über den Pass (fast 4000 m) mit nach Mendoza. Durch kilometerweite Weinanbaugebiete fuhr ich zunächst nach Norden, bevor die Landschaft von Viehzucht geprägt war. Wenn ich auf Haciendas nach Möglichkeiten zum Zelten fragte, wurde ich immer herzlich aufgenommen und oft zu „Asados“ (Festmahlzeit mit viel Gegrilltem) eingeladen.
In der Stadt Tucuman erlebte ich den heißesten Tag meiner zehnwöchigen Radtour: 48° !
(Wochen später zeltete ich in 4500 m Höhe bei -10°).
Durch riesige Zuckerrohrfelder ging's weiter zum Nationalpark „Los Cardones“, wo Kandelaberkakteen bis zu 10 m hoch wachsen. Diese Kakteen blühen erst ab einem Alter von 40 Jahren – einen Tag lang! Als ich diese Strecke fuhr, waren die Kakteen in voller Blüte!
Ein besonderes Erlebnis war die Fahrt auf einer der höchstgelegenen Zugstrecken der Welt: mit dem „Tren a las nubes“ (Zug zu den Wolken). Mitten in der kargen und öden Anden-Landschaft hält der Zug auf einer beeindruckenden Stahlbrücke auf über 4000 m Höhe.
Heiligabend verbrachte ich bei sintflutartigen Regengüssen in Salta. Interessant waren die Krippendarstellungen. Am 24.12. blieben die Krippen bis 24 Uhr leer; erst dann legte man Jesus-Figuren hinein.
Als ich Salta auf der Autobahn verließ, machte ich sehr nette Bekanntschaft mit der Polizei.....
Bei einer anderen Begegnung mit der Polizei stellte ich fest, dass so mancher zumindest einer „Mini-Korruption“ nicht abgeneigt ist....
Weiter nach Norden führte mich die Route durch das „Sieben-Farben-Tal“ und über einen 4200 m hohen Pass zum Salzmeer „Salinas Grandes“, wo heute noch mit Pickel und Schaufel Salz abgebaut wird.
Über die Grenzstadt La Quiaqua verließ ich Argentinien und tauchte in eine völlig andere Welt ein: Bolivien.
Argentinien
Nordkap
Nordkap
Nordkap statt Mongolei

Ein Traum sollte wahr werden. Ein Jahr lang hatte ich mich bestens vorbereitet: Literatur gelesen, Kartenmaterial besorgt, Kontakte geknüpft. Die Packliste war bis ins kleinste Detail fertig. Auch mein Fahrrad wurde aufgerüstet: zusätzlicher Gepäckträger vorn, verstärkter Gepäckträger hinten. Die Züge für Bremsen und Schaltung wurden erneuert. Und ganz wichtig: beide Räder wurden mit verstärkten Speichen bestückt Mein Fahrrad war somit bestens gerüstet für meine geplante Fahrt durch die Mongolei.
Etwas hatte ich aber bei allen Vorbereitungen total vernachlässigt: mich! Seit meiner Fahrt durch Syrien stand mein Rad im Schuppen und wurde seitdem lediglich von rechts nach links oder von links nach rechts geschoben. Meine „Vorbereitung“ für die anstehende Tour bestand gerade mal aus viermal 17 Km „Training“.
Doch es kam alles ganz anders!
Vergeblich versuchte ich, direkt bei der mongolischen Airline MIAT in Berlin ein Flugticket nach Ulan-Bator zu bekommen. Zunächst war alles kein Problem. Doch dann vertröstete man mich, man hielt mich hin. Auf Nachfrage antwortete man mir, die Unterlagen seien unterwegs.
Um es kurz zu machen: man verkaufte mir schlicht kein Flugticket, warum auch immer.
Eine Alternative musste her.
Da ich schon seit vielen Jahren ein großer Freund von Nord-Skandinavien (Finnmark / Lappland ) und schon des öfteren mit dem Auto dort herumgereist war, wollte ich diese Gegend nun auch mit dem Fahrrad bereisen. Und wenn ich schon mal „da oben“ war, wollte ich das Nordkap nicht auslassen.
Die Fahrt von Helsinki in Richtung Norden begann mit einem einwöchigen Kälteschock. Die Höchsttemperaturen lagen bei 11 ° C, im Tagesdurchschnitt bei 7°C. Es war Mitte Juni! In Mittelfinnland zeltete ich einmal bei – 1.5°C. Es war aber nicht nur die Kälte, die mich manchmal an meinem Vorhaben zweifeln ließ. Es regnete sehr viel, dazu blies ein eiskalter Wind. Der kannte natürlich nur eine Richtung….
Mit solchen Wetterverhältnissen hatte ich nicht gerechnet, hatte ich doch bei den acht vorherigen Autoreisen zu 95% wunderbares Sommerwetter zu dieser Jahreszeit, mit Temperaturen zwischen 18 und 25°C.
Zeitweise musste ich mir Plastiktüten um die Turnschuhe wickeln, denn meine nassen Füße froren bei dem eisigen Fahrtwind jämmerlich. Was erwartete mich wohl da ganz oben im Norden…?
Erst bei Kemijärvi änderte sich das Wetter. Es war nicht mehr ganz so kalt, der Regen hörte auf, und die Sonne kam hervor. Dennoch musste ich immer noch mit Windbreaker und Gore-Tex-Hose fahren, denn der Fahrtwind war immer noch sehr kalt.
Die ersten 1300 Km verliefen recht ereignislos. Da ich auf dem schnellsten Wege nach Norden wollte, fuhr ich auf Hauptstraßen (E75 / E63) durch endlose Birken- und Kiefernwälder vorbei an malerischen Seen .Zu dieser Landschaft gesellten sich ab Mittelfinnland die Rentiere Da es 24 Stunden am Tag hell war, konnte ich fahren, fahren, fahren. In der ersten Woche fuhr ich im Durchschnitt täglich 138 Km bei einer Netto-Fahrzeit von ca. 9 Stunden.
Ab Inari änderte sich für mich so ziemlich alles! Jetzt wurde das Wetter richtig schön (Höchsttemperaturen 13-17°C), die Versorgungsmöglichkeiten wurden immer geringer. Die Strecke wurde zum erstenmal richtig anspruchsvoll.
Die Straße zwischen Kaamanen und Karigasniemi verlief schnurgerade durch das Gebirge. Ich musste viele Male schieben, was ich eigentlich verabscheue. Und das fiel mir bei den teilweise heftigen Steigungen mit 38 Kg Gepäck schwer.
Und genau auf dieser Strecke begann sie dann: die Serie von Reifenpannen! Letztendlich hatte ich kein Flickzeug mehr und musste einen Autofahrer bitten, mich in die nächste Stadt mitzunehmen.
Je weiter ich nach Norden fuhr, desto schwieriger wurde die Strecke, d. h. die Steigungen. Bei Abfahrten erreichte ich Geschwindigkeiten von fast 60 km/h.
Nordkap
Oman
Oman
Im Land des Weihrauchs
Mit dem Fahrrad durch den Oman
Ein Reisebericht von Hans Neumann

„In ein moslemisches Land?“
„Lass` Dich nicht entführen!“
„3000 km Wüste?“
„Wie machst Du denn das mit dem Wasser?“
„Pass auf, wenn Du verschleierte Frauen fotografierst“
…und, und, und!

Diese Aussagen und Fragen waren die Reaktion von Freunden, Bekannten, Kollegen
und anderen Menschen, denen ich von meinem Vorhaben, mit dem Fahrrad den Oman zu bereisen, erzählte.
Um es vorweg zu nehmen: Ich bin nicht entführt worden und ich habe auch keinen Krummdolch in den Rücken bekommen, obwohl ich Dutzende von verschleierten Frauen fotografiert habe.
Etwa 9 von 10 Personen wussten den Oman überhaupt nicht geografisch einzuordnen. Nicht wenige verlegten das Land sogar nach Afrika. Und die Sorge, man könnte mir in einem moslemischen Land etwas Böses antun, entspringt wohl der Unkenntnis und den Vorurteilen, die man arabischen Ländern gegenüber hat.
Die Reise war geprägt von der unglaublichen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Araber! Mehrmals am Tag wurde ich mit diesen sprichwörtlichen Eigenschaften der Omanis konfrontiert. In der Wüste hielten oft Einheimische an, um mir Wasser, Obst, Saft oder Essbares zu geben. Nicht wenige meinten wohl, ich sei minderbemittelt, denn sonst würde ich ja mit einer Gruppe das Land bereisen. Sie boten mir Geld an, was ich natürlich ablehnte. Einmal scherten zwei Fahrzeuge aus einem Militärkonvoi aus, fuhren mir hinterher und wollten mir eine Kiste mit 60 Wasserbechern schenken. Da das nicht sehr praktisch war, füllten die Soldaten die Becher in meine leeren Wasserflaschen um. Dann folgten sie den anderen Fahrzeugen des Konvois…
Die vielen Einladungen konnte ich aus Zeit- und Entfernungsgründen gar nicht annehmen. Die Einladung zum Kaffee von einer total verschleierten Frau (!!!) bei sich zu Hause nahm ich in meiner grenzenlosen Neugier aber an. Sie bewirtete mich mit Kaffee und Obst, und zum Abschied beschenkte sie mich noch!
Die Fahrerei durch die unendlich öde und trostlose Wüste (3000Km) wurde nur selten durch „Highlights“ unterbrochen. Zu den Höhepunkten zählte aber immer wieder das Zelten in dieser Einöde. Die Sonnenuntergänge, der Sternenhimmel und die Sonnenaufgänge waren jeden Tag von neuem ein unvergessliches Erlebnis.
Im Durchschnitt trank ich etwa sechs Liter Wasser am Tag. Das musste natürlich auch nachts entsorgt werden. Bei meinen nächtlichen „Ausgängen“ musste ich sehr genau hinsehen, wo ich hintrat, denn es gibt in der Wüste viele (auch giftige) Schlangen und Skorpione.
Erstmalig hatte ich auf einer Radtour zwei schwerwiegende Radpannen! Dank der unglaublichen Hilfsbereitschaft der Omanis wurde die erste (natürlich kostenlos!) behoben, und zur Sicherheit schenkte man mir noch zwei Ersatzschläuche und mehrere Ventile. Bei der zweiten Panne riss eine Felge. Um den Schaden zu beheben, musste ich zurück in die Hauptstadt Muscat fahren, wo ich mit viel Mühe und der Hilfe eines Taxifahrers eine einzige gebrauchte Felge in der richtigen Größe fand.
Die omanischen Frauen kleiden sich traditionell total verschleiert in Schwarz, mit Sehschlitz oder mit der Burqa, einer „Schnabelmaske“ (nicht zu verwechseln mit dem Ganzkörperschleier der afghanischen Frauen). Oft fragten Frauen, ob sie mich fotografieren dürften, und ich willigte ein. Fragte ich sie, lehnten sie überwiegend ab. Trotzdem gelangen mir einmalige Aufnahmen, wenn ich höflich danach fragte. Auf einer Fähre wurde ich geradezu aufgefordert, eine Frauen-/Mädchengruppe zu fotografieren.
Während meines Besuchs im Oman fand der „Golf-Cup“ statt, eine Fußballmeisterschaft der acht Golf-Staaten. Als dann der Oman die Meisterschaft sogar noch gewann, musste ich feststellen, dass sich die omanischen Fans überhaupt nicht von den europäischen unterscheiden. Ausgelassen feierten sie „ihre“ Mannschaft in den Strassen der Hauptstadt.
Woran ich mich nicht gewöhnen konnte: Die Vorstellung der Omanis von Pünktlichkeit und Zeitzusagen.
Mehrere Male verabredete ich mich mit Einheimischen, aber die nehmen es mit der Zeit nicht so genau. Einmal wollten mich Omanis um 10 Uhr vom Hotel abholen, um 15:30 Uhr waren sie dann endlich da…
Aber die Herzlichkeit, die Fröhlichkeit und Unbekümmertheit ließen mich solche Vorkommnisse schnell vergessen.
Oman
Thailand
Thailand
THAILAND
Mit dem Fahrrad durch das Land der Tempel, Traumstrände und Tuk Tuks

Thailand hatte sich enorm verändert!
Als ich das Land zum ersten Mal 1971 bereiste, herrschte in Vietnam der Krieg. Das Leben in Thailand war geprägt von der amerikanischen Armee, die dort Militärbasen hatte.
Nichts ist heute davon zu sehen.
Die Küstenstädte sind ebenso voller Touristen wie die herrlichen Inseln mit ihren palmengeswäumten Traumstränden.
Zunächst führte meine Route nach Süden. Von Bangkok aus fuhr ich 165 Km auf einer viel befahrenen Straße ausschließlich durch bewohntes Gebiet, bevor ich auch nur den Hauch von Grün sah. Mein erstes Ziel war die Stadt Pattayah. Ich kann mir kaum einen schrecklicheren Ort für einen Urlaub denken! Das Stadtbild ist geprägt von westlichen Touristen, die hier eine besondere Art von „Urlaub“ machen. Jeder dritte Wohlbeleibte in Turnhose, Sandalen und Ringelsocken geht stolz mit einer schick gekleideten und schlanken thailändischen Frau an der Uferpromenade entlang, wobei der Altersunterschied oft 50 Jahre beträgt.....
Einzig ein Campingplatz zeugte noch von vergangenen Zeiten: Der Betreiber sammelt Gegenstände der Amerikaner aus Kriegszeiten.
Ab Chantaburi war die Gegend dünner besiedelt, und endlich säumten die Straße Wälder, Palmenhaine und Reisfelder.
In Aranja Prathet, 8 Km von der kambodschanischen Grenze entfernt, kam ich im Dunkeln an. Ich fuhr durch eine ärmliche Gegend, wo man bei sehr spärlicher Beleuchtung in ärmlichen Hütten Turnschuhe mit den entsprechenden Logos westlicher Sporthersteller versah.
Es war kurz vor Weihnachten, und viele Geschäfte waren nach westlichem Vorbild weihnachtlich geschmückt: Weihnachtsmänner, Rentierschlitten, Schnee aus Watte, Krippen.
Zwei Tage vor Heilig Abend habe ich Geburtstag, und noch nie habe ich diesen Tag in zwei Ländern verbracht: vormittags in Thailand, nachmittags in Kambodscha.
Fünf Wochen später reiste ich von Laos über die „Friendship Bridge“ wieder nach Thailand ein.
Die Temperaturen betrugen zwar zwischen 35° und 45° C, aber durch die fehlende Luftfeuchtigkeit waren sie erträglich.
Meine Route führte zunächst direkt am Mekong entlang. Von dieser Seite aus sah ich die Dörfer und Städte, die ich vorher auf laotischer Seite gesehen hatte.
Im Morgengrauen stieß ich auf eine Gruppe Arbeitselefanten, die mit ihren Mahouts (die Besitzer der Tiere) in den Dörfern auf der Suche nach Arbeit waren. Ein grandioser Anblick!
Zur „Belohnung“ am Ende der Reise verbrachte ich noch 3 Tage auf der sehr schönen Insel Koh Chang, wo es u.a. auch einen deutschen Lebensmittelladen gab. Nach 8 ½ Wochen asiatischer Kost, die sehr bekömmlich war, und die mir ausgezeichnet geschmeckt hatte, konnte ich hier meinen Speiseplan mit Schwarzbrot, Käse und Wurst bereichern.
An dem Tag, als ich wieder nach Bangkok zurückfuhr, wurde es unerträglich heiß und feucht. Und so war ich ausnahmsweise froh, dass ich bei diesen klimatischen Bedingungen nicht mehr radeln musste!
Thailand
Vietnam
Vietnam
VIETNAM
Mit dem Fahrrad von den Moskitos am Mekong zu den Hausbooten in Halong
Man hatte mich gewarnt!
Mit dem Fahrrad durch Vietnam zu fahren erachteten einige als nicht so gute Idee.
Doch der Reihe nach.

Mit einem abenteuerlichen Boot (es war eher ein Seelenverkäufer!) war ich auf dem Mekong von Phnom Penh nach Chau Doc gefahren, einer Kleinstadt im Norden des Mekong-Deltas. Parallel zu dem gigantischen Strom radelte ich zunächst nach Süden. Auf den Strassen bewegten sich nur wenige Autos, dafür aber Zehntausende von Mopeds. Damit nicht genug – jeder bediente seine Hupe im Sekundentakt. Dazu kamen die sonoren und trommelfellzerfetzenden „Schiffshörner“ der LKW und Busse. Das Hupen bedeutet: Weg da – jetzt komme ich!
Der Lärm und die aggressive Fahrweise aller Verkehrsteilnehmer waren manchmal unerträglich! In völlig unübersichtlichen Kurven und an Bergen wurde ohne Rücksicht überholt, was nicht immer glimpflich abging.
Wettgemacht wurde das sehr gewöhnungsbedürftige Fahrverhalten allerdings durch die Landschaft rechts und links der Straße: Sattgrüne Reisfelder, auf denen Bauern in bunter Kleidung und runden Reisstrohhüten arbeiteten; eine herrliche Küstenstrasse; Bergdörfer, in denen ethnische Minderheiten ungläubig mein voll bepacktes Fahrrad bestaunten.
In einem Dorf wurde ich zu einer Hochzeit eingeladen. Mit meiner kurzen Radlerhose, T-Shirt und Turnschuhen fühlte ich mich etwas deplaziert auf diesem Fest, wo alle nach ihren Möglichkeiten „schick“ gekleidet waren. Mein Outfit störte die Hochzeitsgesellschaft aber nicht, zumal ich mit Mundharmonika und Löffeln Musik machte. Als ich auf der Flöte irische Tänze spielte, tanzten einige dazu. Zum Abschied schenkte man mir noch einen Becher Pudding.
Apropos Kulinarisches:
Auch wenn mir der Magen noch so knurrte, gegrillten Skorpion, gebratene Feldratte oder gedünsteten Schlangenkopf mochte ich dann doch nicht essen...
Ebenso gewöhnungsbedürftig waren die rustikalen Tiertransporte auf den Mopeds. Ob Schweine, Hühner, Enten, Hunde – alles wurde entweder an den Füssen zusammengebunden oder in engen Käfigen transportiert. Auch der Umgang mit Tieren auf den Märkten ließen mir die Haare zu Berge stehen!
Ich hatte schon vor der Reise viel über die vietnamesische Eisenbahn gesehen, gehört und gelesen, aber die Realität überstieg meine Vorstellungskraft. In einem völlig überfüllten „Abteil“, in dem die Fahrgäste jeden freien Raum für sich, ihre Tiere und Gepäckstücke nutzten, fand ich eine winzige Ecke, in die ich mich mit meinen 7 Gepäckstücken zwängen konnte. Mein Fahrrad wurde zu meinem Entsetzen nicht im selben Zug, sondern in einem späteren transportiert.
Die Fahrt auf der Küstenstrasse wurde durch heftigen Nordwind erschwert, so dass ich manchmal einfach nicht mehr weiter fahren konnte. Hilfsbereite LKW-Fahrer nahmen mich dann mit.
Hinter dem Wolkenpass änderte sich das Wetter schlagartig. Es war kalt, regnerisch, neblig, windig, ungemütlich. Die alte Kaiserstadt Hue besichtigte ich im Regen mit Erkältung.
Da die Zeit für eine Weiterfahrt nach Nord-Vietnam nicht mehr reichte, fuhr ich mit einem Bus in die landschaftlich einzigartige Halong-Bucht, einem „Muss“ für jeden Vietnam-Besucher.
Sehr beeindruckend waren die Tunnel in Vinh Moc, die die Dorfbevölkerung Mitte der 60er Jahre bis zu 24 m tief in die Erde gegraben hatten, um sich vor den Bombenangriffen der amerikanischen B-52 Bomber zu schützen.
Auf dem Weg durch das Gebirge nach Laos besuchte ich den Ho-Chi-Minh-Pfad, die Drakon-Brücke und den Rock Pile, wo die Amerikaner zur Zeit des Vietnamkrieges einen strategisch wichtigen Posten hatten.
Leider musste ich Vietnam verlassen, da mein Visum abgelaufen war. Der Abschied fiel mir trotz der manchmal widrigen Umstände schwer, wurde mir aber durch das erheblich angenehmere Fahren in Laos leicht gemacht: niemand hupte, das Wetter wurde mit Grenzübertritt sehr viel angenehmer, der Verkehr war lange nicht so hektisch wie in Vietnam.
Vietnam
Syrien
Syrien
„Syrien…? Ist das nicht zu gefährlich?“
Mit dem Fahrrad durch das Land am Euphrat
Ein Reisebericht von Hans Neumann

Diese Frage war unisono die Reaktion von Freunden, Bekannten, Kollegen und Verwandten, als ich denen von meinem Vorhaben erzählte.
Zugegeben – etwas mulmig war mir schon, denn bisher hatte ich überwiegend Länder in West-Europa mit dem Fahrrad bereist, aber nicht solch ein exotisches wie Syrien. Und Syrien kann man nicht gerade als „typisches Urlaubsland“ bezeichnen, wo sich die Touristen in Scharen tummeln.
Aber – wie sich herausstellen sollte – war meine Entscheidung goldrichtig!
Gleich am ersten Tag wurde ich mit der sprichwörtlichen Gastfreundschaft der Araber konfrontiert. Ich wurde morgens zum Essen eingeladen, abends ebenfalls zum Essen und zum Übernachten. Das kam mir sehr gelegen, denn wo übernachtet man in einem Land, in dem es außer in großen Städten keine Hotels gibt?
Die Gastfreundschaft zog sich wie ein roter Faden durch die vier Wochen, in denen ich das Land bereiste.
Mein errechnetes Tagespensum schaffte ich nie, denn ich wurde, wenn nicht zum Essen, doch zumindest zum Tee eingeladen; sei es von Bauarbeitern, Ladenbesitzern, Viehhirten, Polizisten oder vielen anderen.
Während der Fahrt am Euphrat entlang hatte ich zweimal sehr intensiven Kontakt mit dem Geheimdienst, der sich aber sehr höflich und korrekt verhielt.
Eine außergewöhnliche Begegnung hatte ich mit einem Mitglied der syrischen Nationalequipe der Radrennfahrer.
Die einwöchige Fahrt durch die syrische Wüste war sehr abenteuerlich, zumal ich mich auf ungewohntem Terrain bewegte: Wüstenerfahrung fehlte mir gänzlich!
Aber auch hier kam ich in Genuss der Gastfreundschaft der Wüstenbewohner, der Beduinen. Ich stellte mein Zelt immer neben deren Zelte auf, wurde aber immer zum Essen hinein gebeten. Die Mahlzeiten waren denkbar einfach: saure Milch, dazu jede Menge Fladenbrot und Tee. Wenn ich Glück hatte, gab es Magduhn, sauer eingelegte Auberginen, die ich mit Vorliebe aß.
Faszinierend war die Ruinenstadt Palmyra mitten in der Syrischen Wüste, wo schon 7000 Jahre v.Chr. Menschen siedelten.
Die quirlige Hauptstadt Damaskus ist eine der interessantesten Städte, die ich weltweit kenne. Ich besuchte mehrmals die Omayaden-Moschee und den Souk.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des „schönsten Dorfes in Syrien“, nämlich Maalula. Es ist der einzige Ort, in dem noch aramäisch, die Sprache Jesu, gesprochen wird. In einem Kloster las mir ein Mönch das Vaterunser auf aramäisch vor.
In den Bergen des Antilibanon wurde ich von einem heftigen Schneesturm überrascht.
Die weitere Route führte mich zum „Crac de Chevalier“, einer riesigen Kreuzritter-Burg,
an die Küste, nach Hama mit seinen 500 Jahre alten Wasserrädern aus Holz, nach Aleppo und nach Ebla, einer 5000 Jahre alten Siedlung.
Beeindruckend war neben der Herrlichen Landschaft, der Gastfreundschaft und den vielfältigen Kulturdenkmälern das friedliche Miteinander der vielen Religionsgemeinschaften.
Neben den verschiedenen Richtungen des Islam leben allein elf christliche Konfessionen in dem Land! Der beste Freund eines moslemischen Professors, den ich in Damaskus kennen lernte, war Jude.
Ein Wermutstropfen: aufgrund der mangelnden Bildung, Desinformation und antisemitisch gefärbter Schulbücher, besteht bei bildungsfernen Schichten eine große Ablehnung gegenüber den Juden, und Hitler erfährt große Verehrung…
Syrien
Peru
Peru
PERU

Mit dem Fahrrad durch das Land der Inka

Der Grenzübertritt von Bolivien nach Peru begann mit einem kuriosen Ereignis.
Nachdem ich die Einreiseformalitäten erledigt hatte, wurde ich nach wenigen hundert Metern noch einmal angehalten. Drogenfahndung! Ich bekam einen gehörigen Schreck, obwohl ich nichts zu verbergen hatte. Triumphierend zogen die
Drogenfahnder eine Tüte mit weißem Pulver aus meinem Gepäck......
Die erste Station in Peru war die Kleinstadt Puno, von der aus ich einen Ausflug zu den schwimmenden Schilfinseln der Uro-Indianer machte.
Ein anderes Highlight war Fahrt zu der Insel Taquile, wo die Bewohner in bunten
Trachten gekleidet sind, und zwar nicht für die Touristen. Zufällig fand an dem Tag die wöchentliche Versammlung auf dem Dorfplatz statt, bei der die aktuellen
Neuigkeiten verkündet wurden – in Quechua, einer Indianersprache. Auf dem Marktplatz saßen viele alte Männer, die sich die Zeit mit stricken vertrieben.
Mein nächstes Ziel war Cusco. Durch die abwechslungsreiche Geschichte der Stadt
gibt es hier herrliche Kolonialbauten neben unglaublich präzise gearbeiteten Inkamauern.
Von hier aus startete ich den Ausflug nach Machu Picchu (Alter Gipfel), einem absoluten „Muss“ jeder Peru-Reise, obwohl in der gesamten Region der Nepp vorherrscht. Dennoch lohnt sich der nicht gerade preiswerte Ausflug zu den im
15 Jh. entstandenen Inka-Ruinen.
Man kennt die Bilder zur genüge – dennoch ist man überwältigt, wenn man die
Anlage mit eigenen Augen sieht!
Aus Zeit- und Bequemlichkeitsgründen überquerte ich per Rad, Bus, LKW und Pick Up die Anden nach Nasca. Der Ort ist durch die in der Pampa de Jumana anzu- treffenden Geoglyphen bekannt geworden, nicht zuletzt durch Erich v. Dänicken.
Auf der Panamericana Sur radelte ich an der Pazifik-Küste entlang. Ich hatte zwar auch hier einige heftige Steigungen zu bewältigen, aber die Luftverhältnisse waren
hier doch erheblich angenehmer als in 4000 m Höhe.
Um nach Arequipa zu gelangen, musste ich wieder landeinwärts fahren, d.h. von Meereshöhe auf 2350 m. Die Stadt wird beherrscht von zwei 6000 m hohen Vulkanen. Neben der Kathedrale und zahlreichen Kirchen ist das Kloster Santa
Catalina unbedingt sehenswert. Die malerische Anlage im maurischen Stil besticht durch die in kräftigem Rot und Blau gehaltenen Mauern und Gebäude.
Von Arequipa aus quälte ich mich über die Berge nach Tacna, wo es dann erheblich
flacher wurde. Die Strecke nach Arica (Nord-Chile) war geprägt durch Wüste mit
Sandstürmen. Hier bekam ich einen guten Vorgeschmack auf das, was mich in der Atacama erwartete.....
Peru
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